Learning Management System

Ein Learning Management System, auch Lernplattform genannt, ist ein komplexes Softwaresystem das zur Bereitstellung von Lerninhalten und der Organisation von Lernvorgängen eingesetzt wird. Bei der Definition des Begriffes wird zunächst deutlich, dass damit ausschließlich Software beschrieben wird, die auf einen Netzwerkrechner installiert wird. Somit sind Lernplattformen nur im Internet oder anderen Netzwerken zu betreiben. Alle übrigen Programme die nicht webbasiert oder in der Lage sind Lerninhalte zu bearbeiten und zu organisieren, fallen somit nicht unter die Bezeichnung Learning Management System (vgl. Maier-Haefele und Haefele 2002, S. 2).

Weitere Aufgaben die mit einem Learning Management System in Verbindung gebracht werden, sind die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden, der geregelte Informationsfluss, die dadurch entstehende Vereinfachung des Lernens und die Übernahme zahlreicher Verwaltungsaufgaben. Damit wird die Lernplattform eine bedeutende Schnittstelle zwischen Bildungsanbieter und lernender Person.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen Modellen, die sich mit der Sammlung von Lernskripten oder Hypertext-Kollektionen auf webbasierten Rechnern beschäftigen, zeichnen sich Lernplattformen durch folgende Funktionen aus:

  • Präsentation von Inhalten (Text, Grafik, Bild, Ton, Film, Animation )
  • asynchrone Kommunikationsmethoden (e-Mail, Foren , Annotationen)
  • synchrone Kommunikationsmethoden (Chat, Whiteboard)
  • Werkzeuge zur Erstellung von Übungen und Aufgaben
  • Evaluations- und Bewertungshilfen
  • Benutzerverwaltung (Anmeldung mit Verschlüsselung)
  • Administration und Kursverwaltung (Verwaltung der Inhalte und Dateien, Rollen- und Rechtevergabe, Organisation von Lernprozessen)

Abb. 8: Aufgabenbereiche einer Lernplattform


Im Laufe der Entwicklung von E-Learning erscheint auch der Begriff mediengestütztes Selbstlernen. Eine Betreuung der Lernenden muss nicht zwingend stattfinden, da die Lernmodule im Netzwerk abrufbar sind. Das Lernen ist sowohl orts-, als auch zeitunabhängig und wird durch den Lernenden gesteuert. Inzwischen haben sich jedoch auch Mischformen entwickelt. Bei dem so genannten Blended Learning werden selbstgesteuerte E-Learning Einheiten durch Präsenzveranstaltungen ergänzt. Ebenso kann die Präsenzlehre mit Hilfe von multimedialen Lern-modulen erweitert werden (vgl. CeDiS 2007).

Durch Tutoren kann jedoch auch das mediengestützte Selbstlernen nach Bedarf angeleitet und unterstützt werden. Dabei werden auch Aufgaben wie die Vergabe von Zugangsberechtigungen für Kurse, die Bildung von Arbeitsgruppen und das Moderieren von Foren oder Chataktivitäten übernommen. Außerdem verfolgen die Tutoren Aktivitäten im Kurs und prüfen eingereichte Arbeiten und Quizresultate.

Für die Administration von Learning Management System existieren ebenfalls unterschiedliche Werkzeuge. Zur Analyse des Benutzerverhaltens in der Lernumgebung gibt es zusätzliche Statistikwerkzeuge. Im Mittelpunkt steht die Untersuchung von Zugriffszahlen, Auswertung von Fragen, das Verwalten von Notenheften und Vergleiche innerhalb der Gruppe. Auch der individuelle Lernprozess kann durch das System registriert und protokolliert werden.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Learning Management Systemen drei verschiedene Benutzergruppen, die jeweils eigene Anliegen an das System richten (vgl. Maier-Haefele und Haefele 2002, S. 7 f.).

Die Ansprüche der Lernenden sind zum Einen, dass das Lernsystem keine besonderen technischen Voraussetzungen erfordert.

Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass:

  • die Navigation leicht durchschaubar und einprägsam ist
  • alle Inhalte aktuell, richtig und mit korrekten Links versehen sind
  • die Lerninhalte auf die Lernenden bzw. die Lerngruppe abgestimmt sind
  • Seitenlayouts einheitlich und unabhängig vom Autor sind
  • ein ausgewogenes Mischungsverhältnis der Inhalte aus Text, multimedialen Elementen und Lernkontrollfragen besteht.

Lehrende erwarten beim Einsatz von Lernplattformen neben einer überschaubaren Oberflächengestaltung eine:

  • leichte Durchführung des Authoring ohne Programmierkenntnisse
  • unkomplizierte Austauschbarkeit von Inhalten
  • umfassende Suchfunktion zum Auffinden benötigter Informationen

Für die Betreiber und Administratoren ist es letztlich von Bedeutung eine fehlerfreie und robuste Technologie nutzen zu können. Für den zielgerichteten Einsatz sind Tools hilfreich wie:

  • statistische Auswertungen für die Kontrolle über die Erreichbarkeit und Nutzungsintensität einzelner Bereiche und Lerninhalte
  • Templates als Rohmaterial von Seiten und damit die Möglichkeit, Inhalte für unterschiedliche Benutzergruppen verschieden Aufzubereiten
  • die Existenz verschiedener Datenbanken, um Informationspools auf einfache und schnelle Weise in die Plattform integrieren zu können
  • ein Qualitäts-Management-System zur Abbildung kompletter, redaktioneller Kontrollmechanismen
  • die Nutzung von Lernplattformen, die über Standard-Packaging-Verfahren eine Wiederverwendung der Inhalte auf anderen Plattformen erlauben