Wissen in kartenähnlicher Form

Forschungen zeigen, dass die menschlichen Gehirnhälften unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Rationales Denken, Sprache, Zahlen und analytische Vorgänge werden dabei überwiegend von der linken Gehirnhälfte durchgeführt. Im Gegensatz dazu wird die räumliche Wahrnehmung, Farbe, Gestalt und Phantasie eher im rechten Teil lokalisiert. Ausgehend von dieser Erkenntnis wird die kreative Wissensverarbeitung mit Hilfe von Karten entwickelt (vgl. Buzan/Buzan 2002, S. 32). Durch den Einsatz von Mind Maps soll die gezielte Nutzung beider Gehirnregionen möglich werden. Dabei sollen Synergieeffekte entstehen, die eine Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit des Menschen ermöglichen.

Es gibt dazu inzwischen eine Häufung von Modellen, die versuchen Wissen in kartenähnlicher Form darzustellen. Diese finden sich alle unter dem Sammelbegriff „Mapping Techniken“ und werden als Lern- und Arbeitstechniken verstanden (vgl. Nückles/Gurlitt/Pabst/Renkl 2004, S.1). Neben den Mind Maps zählen dazu auch Cognitive, Concept und Topic Maps. Dabei ist festzustellen, dass einige der Eigenschaften dieser Karten sehr nahe beieinander liegen. Stark vereinfacht stellen Mind Maps beschriftete Baumdiagramme dar. Erweitert man diese mit einem komplexen Netzwerk von Begriffen, spricht man in der Regel von konzeptuellen Karten. Topic Maps verfügen außerdem über eine definierte Semantik.

Während der Auseinandersetzung mit derartigen Modellen entsteht der Eindruck, dass eine klare Abgrenzung unter den vorhandenen Modellen nur schwer durchzuführen ist. Eine eindeutige Definition der eingesetzten Begriffe, sowie die Zuordnung klarer Eigenschaften zu den Begriffen, erscheint derzeit noch lückenhaft. Dennoch lassen sich zwei Schwerpunkte im Einsatz dieser Karten ausmachen. Während Mind Maps und Concept Maps vorrangig für Lernprozesse und die langfristige Wissensvermittlung eingesetzt werden, bieten die übrigen Modelle in erster Linie eine Orientierungshilfe. Dabei ist festzustellen, dass für die untersuchten Karten auch computerbasierte Varianten bestehen.

Mit Ausnahme der kognitiven Karte ist keines der erfassten Modelle mit herkömmlichen Kartendarstellungen aus der Geografie zu vergleichen. Es findet keine Darstellung einer uns umgebenden Umwelt in räumlicher Weise statt, sondern die Beziehungen zwischen alleinstehenden, abstrakten Erkenntnissen rücken in das Feld der Wahrnehmung. Eine interessante Entwicklung stellt daher das Softwareprodukt Google Earth dar. Neben der räumlichen Darstellung der Erde durch Satellitenbilder bekommt der Nutzer die Gelegenheit, implizites Wissen zu verorten und einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen.