Wissensmanagement

Wie bereits einleitend erwähnt, wird im Rahmen des Wissensmanagements, Wissen als eine eigenständige Ressource betrachtet. Dabei ist es bedeutend, dass nicht nur Wissen von Individuen, sondern auch Metawissen über Systemen wie Gruppen oder Organisationen verwaltet wird. Der Umwandlungsprozess von implizitem in explizites Wissen stellt die Kernaufgabe im Wissensmanagement dar.

„Wissensmanagement meint die Gesamtheit organisationaler Strategien zur Schaffung einer >intelligenten< Organisation“ (Willke 2001, S. 39).

Wissensmanagement umfasst also alle Managementpraktiken, die darauf abzielen Wissen zu entwickeln und zu akkumulieren, zu strukturieren und wieder nutzbar zu machen. Bei Unternehmen und Organisationen spielt zudem die Anpassung und Ausrichtung des Wissens an den definierten Zielen eine entscheidende Rolle. Somit beschäftigt sich Wissensmanagement mit Wissen im angewendeten Arbeitskontext (vgl. Hasler Roumois 2007, S. 54). Es wird der Versuch unternommen aktiv auf die Wissensbasis eines Unternehmens Einfluss zu nehmen.

Die Wissensbasis von Unternehmen stellt alle Daten und Informationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten dar, die zur Erfüllung des definierten Zieles benötigt werden. Dabei ist es auch notwendig, individuelles Wissen und Fähigkeiten sichtbar zu machen und systematisch in der Organisationsstruktur zu verankern. Dazu gibt es drei Bereiche, in denen ein ganzheitliches Wissensmanagement wichtige Ansatzpunkte findet.

Im personenbezogenen oder individuellen Bereich geht es um die organisationsweite Angleichung der Kompetenzen. Die Aus- und Weiterbildung, sowie die Lernfähigkeit aller Mitglieder soll einem einheitlichen Niveau entsprechen.

Auf der Organisations-, oder Systemebene ist die Schaffung, Nutzung und Entwicklung einer kollektiven Intelligenz erforderlich.

Abschließend Bedarf es auch einer technischen Infrastruktur, um die operativen Grundlagen einer Kommunikations- und Informationsinfrastruktur zu gewährleisten (vgl. Willke 2001, S. 39).

Das Modell der vier Kultur-Katalysatoren beschreibt den Einfluss der jeweiligen Unternehmenskultur auf das Verhalten beim Entwickeln, Teilen und Verwenden von Wissen (vgl. Aebi 2000, S 78).


Abb. 2: Vier Katalysatoren, mit denen die Unternehmenskultur das Verhalten beim Entwickeln, Teilen und Verwenden von Wissen beeinflusst.

Die Unterscheidung von impliziten und expliziten Wissen, wie sie bereits bei der Definition des Wissens vorgenommen wurde, bildet auch die grundsätzlichen Schwerpunkte im Wissensmanagement.

In ihrem 1995 erstmals veröffentlichten Buch „The Knowledge Creating Company”, was inzwischen als Standardwerk angesehen wird, stellen die beiden Japaner Nonaka und Takeuchi ein Modell für die Wissensbeschaffung in Unternehmen vor. Dabei gehen sie von zwei Dimensionen der Wissenserzeugung aus. Zum Einen wird die ontologische Dimension genannt, die unterschiedliche Ebenen der Wissenserzeugung beinhaltet. Andererseits bedarf es einer erkenntnistheoretischen Dimension, die zwischen implizitem und explizitem Wissen unterscheidet. Aufbauend auf diesen Dimensionen entwerfen sie ein Modell, bei dem Wissen durch einen sozialen Prozess, einer kontinuierlichen Transformation zwischen implizitem und explizitem Wissen unterliegt (vgl. Hasler Roumois 2007, S. 213).


Abb. 3: Wissensspirale nach Nonaka/Takeuchi

Die dabei entstandenen Kombinationen werden folgendermaßen benannt:

  • Von implizit zu implizit: Socalisation
  • Von implizit zu explizit: Externalisation
  • Von explizit zu explizit: Combination
  • Von explizit zu implizit: Internalisation
Durch die aufeinander folgenden Prozesse der Sozialisation, Externalisierung, Kombination und Internalisierung, wird Wissen innerhalb einer Organisation spiralförmig von individuellem Wissen auf höhere Organisationsstufen wie Personengruppen und ganze Unternehmen gehoben.

Ein frühes, in der Literatur sehr häufig zitiertes Modell der Bausteine stammt von Probst, Raub und Romhardt. Das an der Universität Genf entwickelte Modell stellt einen Wissenskreislauf aus operativen, strategischen und normativen Bausteinen dar. Die operativen Bausteine bilden den „inneren“ Kreislauf, die strategischen den „äußeren“ Kreislauf. Ersterer stellt den traditionellen Managementprozess dar (vgl. Hasler Roumois 2007, S. 216).

  • Wissensidentifikation: Informationen über bereits vorhandenes Wissen einholen
  • Wissenserwerb: externe Wissensträger, Wissensprodukte
  • Wissensentwicklung: individuelle Wissensentwicklung, kollektive Wissensentwicklung
  • Wissensverteilung: Verbreitung von Wissen durch eine Infrastruktur
  • Wissensnutzung: Nutzung ist der produktive Einsatz organisationalen Wissens
  • Wissensbewahrung: durch Selektieren, Speichern, Aktualisieren
  • Wissensziele: geben dem Wissensmanagement eine Richtung
  • Wissensbewertung / -messung
Diese Bausteine stellen Interventionsebenen für Maßnahmen des Wissensmanagements dar.


Abb. 4: Bausteine des Wissensmanagements nach Probst/Raub/Romhardt


Der Versuch, Wissen zu messen und es im Anschluss zu bewerten wird in unterschiedlichen Formen unternommen. „Kaplan und Norton haben diese verstreuten Ansätze zu der Idee eines ausbalancierten Katalogs von Bewertungskriterien zusammengefasst“ (Willke 2001, S. 94). Dabei werden sowohl traditionelle Indikatoren, wie Finanzen und die Kundenzufriedenheit aufgenommen, als auch die Qualität von unternehmensinternen Prozessen und der Bereich Lernen.

Ein Begriff aus dem unternehmensbezogenen Wissensmanagement ist das Knowledge Engineering. Dieses hat die Aufgabe, die Komplexität des Welt- und Expertenwissens in einer regelhaften Struktur abzubilden. Durch computergestützte Anwendungen, einem intelligenten Informationssystem, soll diese strukturierte Form des Wissens dann dem Nutzer präsentiert werden. Dieser Bereich des Wissensmanagements umfasst vier zentrale Kategorien im Umgang mit menschlicher Information:

  • Erfassung des Wissens: Strukturierung und formelhafte Repräsentation
  • Abbildung von Wissen im Computer: Design und Architektur des Systems
  • Computerbasierte Verarbeitung von Wissen: Kombination von explizitem Wissen, Problemlösung und Generierung von Ergebnissen
  • Darstellung von Wissen: Präsentation in Hinblick auf interaktive Anwendungen durch den Benutzer, z. B. das Erzeugen von Ansichten („Views“) auf Inhalte („Content“)
(vgl. Wikipedia 2008, Schlagwort: Wissensmanagement).